31 März 2006

Tornado


Nun habe ich etwas Zeit, um über den Tornado zu berichten, der am Montag durch unseren Hafen gefegt ist. Das war ein ziemlich schauriges Ereignis. Plötzlich war er da und hat zwei Menschen in den Tod gerissen und schwere Schäden angerichtet. Mein Kegeln war gerade zuende und Annegret war so nett, mich nach hause zu fahren, denn es regnete heftig. Das Wasser stand kniehoch auf den Straßen. Der Himmel sah gespenstisch aus: erst schwarz und plötzlich brach die Sonne durch und ließ die Häuser glühen als stünden sie in Flammen. Vom Tornado haben wir nichts mitbekommen, nur dass die Straße gesperrt und anscheinend der Strom ausgefallen war. Der Verkehr hat ziemlich gestockt ohne Ampeln.

Zuhause war die Aufregung groß. Ich hatte mir schon ein wenig Sorgen gemacht, dass Birk Angst hat, denn solche Blitze hatte ich noch nie gesehen, aber der war durch Katrin gut versorgt. Weil es schon dunkel wurde, habe ich erstmal Kerzen angemacht, bis mir die Gasheizung in unserer Wohnung einfiel. Da ich nicht wusste, ob das Gas ohne Flamme von alleine ausgeht, habe ich vom Kerzenlicht Abstand genommen. Für unsere Wohnung tat es dann auch Taschenlampenlicht. Es war irgendwie eine unheimliche Stille und so beschlossen wir, uns alle bei Katrin zusammen zu setzen und das Beste aus der Situation zu machen: Kerzenlicht, Wein, Knabbereien und die Jungs haben ein Brettspiel gespielt. Ein wenig kam es mir vor wie früher, als es noch keinen Fernseher geschweige denn Computer gab. Ziemlich genervt hat mich jedoch, dass ich nicht telefonieren konnte. Die Netze waren total überlastet und Michael weit weg in Dortmund. So habe ich noch das halbe Haus wegen der Heizung verrückt gemacht, bis endlich klar war, dass das Gas automatisch weg bleibt, wenn die Flamme aus ist. Aber lieber einmal zu vorsichtig, als dass das Haus in die Luft fliegt.
Draußen steppte der Bär. Im ganzen Viertel waren viele Leute auf der Straße und später haben wir erfahren, dass in der Stadt geplündert wurde. Alle paar Minuten fuhr die Polizei mit Blaulicht durch die Straße. Dass keine Sirenen an waren verstärkte nur den gespenstischen Eindruck. Mir kam das Szenario vor wie Endzeit oder eine Szene aus dem „Tagebuch einer Überlebenden“ von Doris Lessing. Wir saßen noch bis lange in die Nacht zusammen und haben uns durch das batteriebetriebene Radio über die Geschehnisse informiert. Irgendwann morgens bin ich wach geworden, weil in der ganzen Wohnung die Lichter wieder angingen und der Spuk war zum Glück vorbei.

Leider ist vom Tornado auch unsere Werkstatt im Hafen sehr beschädigt worden. Anscheinend hat er sie kurz angehoben und wieder abgesetzt und ein großes Loch ins Dach gerissen. Es steht fest, dass wir sie für mindestens 7 Wochen schließen und für unsere behinderten Mitarbeiter solange eine Lösung finden müssen. Diese ganze Arbeitswoche war nur von den Auswirkungen des Tornados bestimmt, die uns sicherlich auch weiterhin beschäftigen werden. Glücklich ist nur, dass das Unglück nicht ein paar Stunden eher geschah, als alle noch in der Werkstatt waren. Dann hätte es sicherlich Verletzte gegeben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…

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