06 Oktober 2007

Sommer im Oktober

In Boston haben wir noch mal richtig Sommer: 27°C und Sonne. Eigentlich fast zu schade um in Einrichtungen zu sein. Bei diesem Wetter stelle ich mir einen Aufenthalt am Ozean auch ganz schön vor.
Gestern haben wir ein Museum in Lowell besucht. Lowell war einmal eine Stadt, die nur durch die Industrialisierung entstanden ist und dann den Gang vieler Industriestädte des letzten Jahrhunderts ging, nämlich den des Abstiegs. War ganz nett, aber uns nicht unbekannt (Schule und Geschichte der Sozialarbeit). Gefahren hat uns Monika, eine Kanadierin mit deutschem Pass, die hier Sozialarbeit studiert. Da konnten wir uns richtig auf deutsch austauschen, was zwischendurch ganz schön ist. Da Lowell ein wenig außerhalb liegt, haben wir schon einen kleinen Eindruck von der Gegend um Boston herum bekommen.
Heute war ein besonderer Tag. Lauren hat uns mit zu ihrer Arbeit genommen. Wir mussten schon um 5h aufstehen, nicht ganz mein Fall, aber sie versorgt an 2 Tagen die Woche morgens eine Familie mit 2 schwerstbehinderten Söhnen. Tanja und ich hatten die Gelegenheit, uns mit dem Vater eine Weile über sein Leben mit den Kindern zu unterhalten. Er ist nämlich ein “SAHD” (Stay At Home Dad), während die Mutter als Lehrerin arbeitet. 2 süße kleine Adoptivtöchter aus Guatemala haben die beiden auch noch. Auf jeden Fall Hut ab vor dieser Familie! Das Leben ist für sie so anstrengend und bis ins Detail organisiert, aber sie sind so positiv und voller Energie. Anschließend haben wir die Jungs in der Schule besucht und danach eine Regelschule, in der Kinder mit unterschiedlichsten Behinderungen integriert werden. Insgesamt ist das Beschulen von Kindern mit besonderen Bedürfnissen sicher nicht besser als bei uns.
Mittags waren wir in einer Mall - lecker japanisch gegessen - und haben ein wenig in den Geschäften gebummelt. NOCH waren wir sehr zurückhaltend, aber das wird sich sicherlich ändern, wenn wir erstmal richtig Zeit haben :)
Den Nachmittag verbrachten wir in der North Shore Arc. Das ist eine Einrichtung, die Menschen mit Behinderung von der Wiege bis zur Bahre in allen Lebenssituationen begleitet. Im Grunde sind es die gleichen Maßnahmen wie bei uns auch in unterschiedlicher Ausprägung, aber besonders fand ich das “Life Sharing”, wo sich Menschen/Familien bereit erklären, einen Menschen mit Behinderung in ihr Leben und ihr Haus aufzunehmen (gegen Aufwandsentschädigung). Lohnt sich vielleicht, mal drüber nachzudenken.
Eigentlich wollten wir heute Abend Party machen, doch wir waren alle so kaputt, dass wir nach dem leckeren Essen (vom Grill und anschließend Blaubeer-Pie) keine Lust mehr auf nichts hatten. Außerdem müssen ja auch mal Notizen gemacht und die Reisetagebücher gefüllt werden. Abschließend waren wir noch 2 Meilen in der Nachbarschaft spazieren (bei immer noch mindestens 20°C um 22h) und haben die schönen Häuser hier bei Nacht betrachtet. Viele haben ja schon für Halloween geschmückt, was beleuchtet natürlich besonders spannend aussieht: Kürbisse, Geister, Grabsteine, Gebeine und Spinnen samt Netzen...
Dabei fällt mir ein, dass es hier tatsächlich Geschäfte gibt, die Kleidung für Hunde verkaufen. Dort gibt es alles, vom Baseball-Fanoutfit bis zur Daunenjacke über den Jeans, Halloweenkostümen, Schlafanzügen, T-shirts und Badeanzügen. Ungelogen, wie Fotos beweisen.













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